European Parlamentary Conference on Chemical Policy
EUROPA / Straßburger
Chemiegespräche
Am 11. November 2002 fand
zwischen dem Ersten Vorsitzenden des Verbandes, Dr. Thomas Fischer, sowie zwei
Mitarbeitern der Geschäftsführung und dem Europaabgeordneten Karl-Heinz Florenz
ein Dialog zu den weiteren geplanten Maßnahmen der europäischen
Chemikalienpolitik statt.
Florenz, der zur Fraktion der
„Europäischen Volkspartei (Christdemokraten) und Europäischer Demokraten (EVP)“
gehört, ist auch Mitglied des Ausschusses des Europäischen Parlaments für
Umweltfragen.
Zu Beginn des Gespräches wies
Florenz darauf hin, dass die von ihm organisierte und unter seiner
Schirmherrschaft stehende „European Parlamentary Conference on Chemical Policy“
vor dem zu erwartenden Verordnungsvorschlag der Europäischen Kommission noch
einmal hoffnungsvolle und positive Akzente setzen wolle. Angesprochen darauf,
dass mit einem Verordnungsentwurf der Kommission bereits im Sommer diesen Jahres
gerechnet worden sei, verwies Florenz darauf, dass es in der europäischen
Gesetzgebung nicht ungewöhnlich sei, dass sich entsprechende Verordnungsentwürfe
verzögern würden. Konkret wäre es hier auch darum gegangen, unterschiedliche
Ansichten zwischen dem Industrie- und Umweltausschuss zu diskutieren und
abzustimmen.
Florenz teilte mit, dass er
sich für einen abgewogenen Verordnungsvorschlag zur europäischen
Chemikalienpolitik einsetzen werde. Zweifelsohne müssten dabei die berechtigten
wirtschaftlichen Interessen der Chemieindustrie berücksichtigt werden. Durchaus
gleichrangig sei aber auch der Verbraucherschutz ebenso wie der Schutz der in
der chemischen Industrie beschäftigten Mitarbeiter. Florenz sieht die zukünftige
europäische Chemikalienpolitik auch als geeignet an, die tendenziell eher
negative Stimmung der Bevölkerung in Europa gegen die chemische Industrie
positiv zu beeinflussen.
Zu den Inhalten verwies Florenz
darauf, dass es nach jetzigem Kenntnisstand drei unterschiedliche, sich
ergänzende Verordnungsentwürfe geben werde. Einer dieser Verordnungsentwürfe
würde sich dabei intensiv mit der Schaffung einer zentralen Zulassungsbehörde
für Chemikalien in Europa beschäftigen. Dabei sei sowohl dem Umweltausschuss,
aber auch der Kommission und dem Parlament bewusst, dass insbesondere kleine und
mittelständische Unternehmen bei der Einrichtung einer zentralen
Zulassungsbehörde Bedenken gegen ein neues bürokratisches „Monster“ hätten. Dies
sei aber unbegründet.
Auch sei allen Politikern
bewusst, dass insbesondere die chemische Industrie in Deutschland bereits
erhebliche Vorleistungen bei Sicherheit und Umweltschutz geleistet hätte.
Florenz sieht aber eine einheitliche europäische Chemikalienpolitik als
Standortvorteil für deutsche Unternehmen, da die chemische Industrie in anderen
europäischen Ländern dann gezwungen würde, sich dem hohen deutschen Niveau
anzupassen. Angesprochen auf die durch den Bundesverband der Deutschen Industrie
(BDI) kürzlich vorgelegte Studie zu den Auswirkungen der Umsetzung des EU
Weißbuches zur Chemikalienpolitik (der BDI rechnet mit dem Verlust von 150.000
Chemiearbeitsplätzen innerhalb Europa), zeigte Florenz zwar Verständnis dafür,
dass ein Industrieinteressenverband ein negatives Szenario zeichnet. Allerdings
sei zu berücksichtigen, dass diese BDI-Studie auf den Annahmen des Weißbuches
basieren würde und nicht auf den nun bald erwarteten Verordnungsentwürfen, die
aus seiner Sicht von dem Weißbuch in wesentlichen Punkten abweichen würden.
Florenz forderte die deutsche
Chemische Industrie auf, nicht nur ständig ein „Klagelied“ über zusätzliche
Belastungen anzustimmen, sondern sich selbst proaktiv in den Gestaltungsprozess
einzubringen. Er sei – genauso wie andere Abgeordnete – stets offen für
Anregungen und Vorschläge der Verbände. Abschließend verwies Florenz darauf,
dass es Ziel aller europäischen Abgeordneten wäre, die europäische Union neben
den USA zum zweiten gleichberechtigten Global Player aufzubauen. Hierzu sei aber
der Gestaltungswille von Wirtschaft, Verbänden und Bürgern gefragt.
Bei der Tags darauf
stattfindenden parlamentarischen Konferenz zur Chemikalienindustrie diskutierten
weit über dreihundert Vertreter aus Wirtschaft, Verbänden und Politik zum Thema
„Wie kann die zukünftige europäische Chemikaliengesetzgebung mit der
industriellen Wettbewerbsfähigkeit vereinbart werden“.
In Anwesenheit der
Generaldirektorin der Europäischen Kommission für Umweltschutz, Catherine Day
und anderen hochrangigen EU-Politikern, tauschten sich die Teilnehmer intensiv
und kontrovers über unterschiedlichste Aspekte der zukünftigen europäischen
Chemikalienpolitik aus. Auch auf dieser Konferenz wurde deutlich, dass die
zukünftige europäische Chemikalienpolitik einen ausgewogenen Ausgleich zwischen
der zu wahrenden Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und dem Interesse der Bürger
an einem ausreichenden Schutz vor Umweltgefährdungen bieten muss.